Hilde Zimmermann (1920-2002)

12. September 1920 – 25. März 2002

Hilde Zimmermann 1999 bei einem Interview – Standbild aus dem Film „Dagegen muss ich etwas tun“ von Tina Leisch

Hilde Zimmermann 1999 im Interview – Standbild aus dem Film „Dagegen muss ich etwas tun“ von Tina Leisch

Hilde Zimmermann, geborene Wundsam, war Putzfrau, Kindermädchen, Bildhauerin, Widerstandskämpferin, Sozialistin, KZ-Häftling, Zeitzeugin, Brillendesignerin – und Mitbegründerin der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück. Sie sah sich als „Verfolgte“, nicht als „Opfer“ und sah es als Verpflichtung an, über den Nationalsozialismus und die KZ-Haft in Ravensbrück vor allem den Jugendlichen zu berichten. Hilde Zimmermann war maßgeblich daran beteiligt, dass ab Mitte der 1990er Jahre AntifaschistInnen der jüngeren Generationen in der Lagergemeinschaft aufgenommen wurden.

Viele Details aus ihrem Leben sind einem ausgezeichneten Wikipedia-Artikel über Hilde Zimmermann zu entnehmen.


Über den Film „Dagegen muss ich etwas tun. Portrait der Widerstandskämpferin Hilde Zimmermann“ (2009)

Hilde Zimmermann, geboren als Hilde Wundsam 1920, war ein Kind des Roten Wien. Sie wuchs in Kagran im Gemeindebau auf, war bei den Kinderfreunden und bei den roten Falken. Als beide Eltern 1934 verhaftet wurden – der Vater hatte in Floridsdorf beim Schutzbund gekämpft, die Mutter in Kagran Schutzbündler mit Suppe und Tee versorgt und aus Coloniakübeln Barrikaden gebaut –, fanden Hilde und ihr Bruder Otti sich alleine in einer Welt, in der all ihre sozialistischen Hoffnungen und Zukunftsperspektiven plötzlich vernichtet schienen. Schon während des Austrofaschismus wurden die beiden Mitglieder illegaler Jugendorganisationen. Und auch nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland suchte Hilde nach Möglichkeiten, Widerstand zu leisten. 1944 fand sie Kontakt zu einer Widerstandsgruppe, die aus Moskau entsandten Fallschirmspringern beim Aufbau von Widerstandsaktivitäten half. Hilde und ihre Jugendfreundin Pauli (Pauline Leibel,  geborene Hochmeister) versteckten den Kommunisten und Spanienkämpfer Sepp Zettler.
Doch die Organisation wurde verraten, Hilde und Pauli und ihre Mütter, Anna Wundsam und Gisela Hochmeister, wurden verhaftet und nach Ravensbrück deportiert. Othmar Wundsam, der als Wehrmachtssoldat gerade auf Heimaturlaub war, wurde nach Buchenwald verschleppt. 1999 führte Brigitte Halbmayr für das Projekt „Vom Leben und Überleben – Wege nach Ravensbrück“ des Instituts für Konfliktforschung drei lange Interviews mit Hilde Zimmermann, die für das VideoArchiv Ravensbrück aufgezeichnet wurden (siehe auch die gleichnamige Publikation bei Promedia 2001).

Als Hilde Zimmermann 2002 starb, entstand die Idee, aus den Videointerviews einen Film zu machen, eine Hommage an die Bildhauerin und Ravensbrückerin Hilde Zimmermann, die dafür mitverantwortlich war, dass Mitte der neunziger Jahre junge Frauen eingeladen wurden, in der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück mitzuarbeiten. Ein Team von Filmemacherinnen (Tina Leisch, Marika Schmiedt, Leena Koppe u.a.) interviewte Othmar Wundsam, Pauline Leibel, Harry Zimmermann und andere.
Aus den Erinnerungen der ZeitzeugInnen setzt der Film eine intensive Geschichtsstunde zusammen. Beeindruckend ist die abwägende, nach vielen Richtungen schauende, sehr um Verständnis und Komplexität bemühte Art Hilde Zimmermanns nachzudenken: über die Geschichte, über Möglichkeiten politischen Handelns von unten, über Utopien jenseits von Parteipolitik und über Solidarität jenseits von Gruppenzwang.

Tina Leisch

„Dagegen muss ich etwas tun. Portrait der Widerstandskämpferin Hilde Zimmermann“
DVD-Bestellung (19,90 Euro): etwastun@gmx.at


Die lebensgeschichtlichen Interviews mit Hilde Zimmermann, geführt von Brigitte Halbmayr (Kamera: Tina Leisch), sind Bestandteil des VideoArchivs Ravensbrück.