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Wissenschaftliche Studien |
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Helga Amesberger / Brigitte
Halbmayr: Vom Leben und Überleben - Wege nach Ravensbrück.
Das
Frauenkonzentrationslager in der Erinnerung. Band 1: Dokumentation und
Analyse, Band 2: Lebensgeschichten. Wien: Promedia 2001
Inhaltsverzeichnis
Band 1: Dokumentation und Analyse
Inhaltsverzeichnis
Band 2: Lebenserinnerungen
Die beiden Autorinnen haben in mehrjähriger Arbeit die
Lebensgeschichten von 42 österreichischen Überlebenden
aufgezeichnet,
analysiert und dokumentiert.
Ergebnis der Arbeit ist zum einen eine wissenschaftliche Aufbereitung
der erzählten Erinnerungen, zum anderen eine Zusammenstellung der
Biographien der Frauen, angereichert mit Bild- und
Dokumentationsmaterial. Mit diesen beiden Bänden liegt erstmals
eine
umfassende Analyse und Dokumentation österreichischer
Überlebender des
Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück vor. Den interviewten
Frauen ist
das Überleben des Konzentrationslagers Ravensbrück gemein -
ihre
Lebensgeschichten sind jedoch denkbar unterschiedlich.
Das Leiden durch den nationalsozialistischen Terror ist zentraler
Bestandteil der Lebensgeschichten, dennoch haben die Frauen auch davor
und danach eine Geschichte. Diese Geschichte wurde in den bisherigen
zeitgeschichtlichen Studien meist außer Acht gelassen oder nur am
Rande
thematisiert. Im Mittelpunkt des ersten Bandes steht daher eine
vergleichende Analyse dieser Unterschiede in der Sozialisation, in der
Verfolgungsgeschichte und in den „Verarbeitungsstrategien” - jeweils
eingebettet in den historischen gesellschaftspolitischen und
sozioökonomischen Kontext.
Neu an der vorliegenden Studie ist auch, dass sich die Interviews und
Analysen nicht auf eine Opfergruppe beschränkten. Damit werden
Einblicke in die Frauengeschichte von Verfolgtengruppen
ermöglicht, die
bislang nicht im Mittelpunkt der historischen Forschung und des
öffentlichen Interesses standen, wie etwa Roma und Sinti, die
wegen
sogenannter „Rassenschande” Verfolgten oder die ZeugInnen Jehovas.
Durch die Einbeziehung unterschiedlicher Opfergruppen wird auch die
Vielfalt der Verfolgungsgründe sichtbar.
Die nationalsozialistische „Taxonomie der Farben” und die rassistische
Bewertung von Nationalitäten beeinflussten nicht nur die Chancen
zum
Überleben, sondern auch das Leben nach 1945 und den Umgang mit der
eigenen Geschichte.
Nur wenige Frauen wagten mit einer Autobiographie den Schritt an die
Öffentlichkeit. Mit der Zusammenstellung der Biographien (Band 2)
ist
es gelungen, die Erfahrungen von bislang in der Öffentlichkeit
wenig
bekannten Frauen, deren bewegte Geschichte und oft unfassbares Leid
sichtbar zu machen und vor dem Vergessen zu bewahren bzw. für die
Nachwelt zu erhalten. Zudem ist im Bewusstsein vieler junger Menschen
nach wie vor kaum verankert, dass auch Frauen und Kinder Betroffene und
Leidtragende des NS-Vernichtungsapparates waren.
„Niemals vergessen!” ist ein Aufruf, der nicht an die Tausenden
Verfolgten des Nationalsozialismus gerichtet sein kann. Sie können
ohnehin nicht vergessen. Und viele, die Jahrzehnte lang verdrängt
und
geschwiegen haben, haben nun im Alter die Hoffnung, dass ihre
Geschichte wahrgenommen wird, dass ihre Erfahrungen mit Verfolgung und
Unterdrückung weitergetragen, den nächsten Generationen
überliefert
werden.
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Helga Amesberger / Katrin Auer
/ Brigitte Halbmayr:
Sexualisierte Gewalt. Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern.
Mit einem Essay von Elfriede Jelinek. Wien: Mandelbaum Verlag, 3 Aufl.
2007
Das Buch ist erhältlich im Fachhandel; ISBN 978-3-85476-219-5,
paperback, 364 Seiten, ¤ 19,90
Inhaltsverzeichnis
Sexualisierte Gewalt war und ist integraler Bestandteil von Verfolgung,
Folter und Krieg. Frauen wie Männer waren und sind davon
betroffen.
In den lebensgeschichtlichen Erinnerungen österreichischer
Überlebender
des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück sind immer wieder
Ausführungen zu erniedrigenden, verletzenden, qualvollen bis hin
zu
existenzbedrohenden Gewalterfahrungen zu finden, welche sexuelle
Konnotierungen aufweisen bzw. sexuelle Übergriffe darstellen.
Der Begriff „sexualisierte Gewalt“ bezieht sich nicht nur auf
physische, direkte, von einer konkreten Person ausgeübte
Gewaltakte
(Vergewaltigung, Sexzwangsarbeit, Zwangssterilisation,
Zwangsabtreibung). Er schließt die diesen Gewalttaten oft
vorgelagerten
Grenzverletzungen wie demütigende Blicke, verbale
Belästigungen oder
erzwungenes Nacktsein ebenso mit ein wie auch strukturelle, (dem KZ)
systemimmanente Bedrohungen (z.B. unzureichende
Hygienemöglichkeiten,
fehlende Intimsphäre).
Am Beispiel zweier Frauen, welche der SS für sexuelle Dienste zur
Verfügung stehen mussten, wird in dem Buch verdeutlicht, dass
sexualisierte Gewalt im Konzentrationslager immer und überall
präsent
war und die SS sich selbst immer wieder über eigene Regelungen und
Verbote hinsichtlich Kontakte mit weiblichen Häftlingen
hinwegsetzte.
Manche Interviewpassagen zeigen aber auch eindringlich, wie schwierig
es ist, über derartige Erfahrungen zu kommunizieren und wie stark
noch
heute die Frauen Schutz im Schweigen suchen.
Sexualisierte Gewalt kann schwere Traumatisierungen verursachen. Der
Auseinandersetzung mit dem Thema Trauma ist daher ein eigenes Kapitel
des Buches gewidmet.
Die von den Frauen erlebte sexualisierte Gewalt ging großteils
von
Männern, im Kontext Konzentrationslager von SS-Männern, aus.
Dieser
Umstand verweist bereits auf die Notwendigkeit, den Faktor Geschlecht
und die Dimension des Geschlechterverhältnisses zwischen Opfern
und
TäterInnen in die Analyse sexualisierter Gewalterfahrungen mit
einzubeziehen. Vor diesem Hintergrund werden auch frauenspezifische
Aspekte wie Menstruation, Schwangerschaft und Mutterschaft im KZ sowie
die Auswirkungen von Verfolgung und sexualisierten Gewalterfahrungen
auf das Leben nach 1945, insbesondere im Bereich Partnerschaft und
Mutterschaft, ausführlich beleuchtet.
Die Analyse zeigt, dass sexualisierte Gewalt nicht „nur“ Ausdruck von
Frauenfeindlichkeit war, sondern auch immer rassistisch, antisemitisch,
heterosexistisch und eugenisch motiviert war. |
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Helga Amesberger / Kerstin
Lercher:
Lebendiges Gedächtnis
Die Geschichte der österreichischen Lagergemeinschaft
Ravensbrück
Wien: Mandelbaum Verlag,
1. Aufl. 2007; erhältlich im Fachhandel;
ISBN 978-3-85476-219-5, 120 Seiten, 15,90
EUR
Im Mai 1947 gründeten
Überlebende des Frauenkonzentrationslagers die
Österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück (ÖLGR). 60
Jahre danach ist es Zeit zurückzublicken. Der Verein - der erste
seiner Art in Österreich und "Vorbild" für später
gegründete Lagergemeinschaften - sah und sieht seine Aufgaben
primär in der Interessensvertretung für Überlebende und
deren Angehörige, im Bereich der politischen und historischen
Bildung, im Gedenken an die Verbrechen der nationalsozialistischen
Herrschaft, in der Erhaltung der Lagergemeinschaft sowie in der
internationalen Vernetzung mit ähnlichen Organisationen. Die
Lagergemeinschaft verstand sich von Anfang an als eine politische
überparteiliche Vereinigung ehemaliger Häftlinge des KZ
Ravensbrück. Realiter waren fast ausschließlich ehemalige
Widerstandskämpferinnen in der Lagergemeinschaft organisiert.
Es waren 60 aktive Jahre, die von nationalen wie internationalen
politischen sowie kulturellen Veränderungen im Umgang mit der
nationalsozialistischen Vergangenheit Österreichs und den
Verfolgten des NS-Regimes gekennzeichnet und geprägt waren.
Zivilgesellschaftliche Organisationen wie die ÖLGR bewegen sich in
einem politisch-ideologisch umkämpften Raum, in dem um historische
"Wahrheiten", um die hegemonialen Deutungsmuster zur
nationalsozialistischen Vergangenheit gerungen wird. Vor diesem
Hintergrund analysieren die Autorinnen die Aktivitäten und
Aufgaben der Lagergemeinschaft, beleuchten die Wirkungsweise ihres
politischen Engagements sowie die internen Widersprüche und Konfl
ikte, aber auch, inwiefern der Verein mit seinen Tätigkeiten das
"negative (weibliche) Gedächtnis" repräsentiert(e) bzw. als
"Feigenblatt" für das Nachkriegsösterreich, das sich seiner
Täterschaft nicht stellte, fungierte.
Das Vermächtnis der Überlebenden und die kritische
Bestandsaufnahme weisen nicht zuletzt auch den Weg für das
zukünftige Gedenken und die Ausrichtung der politisch-historischen
sowie feministischen Bildungsarbeit nach dem Ableben der letzten
aktiven Zeitzeuginnen. |
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Helga Amesberger / Brigitte Halbmayr / Kerstin
Lercher: Namentliche Erfassung der ehemals
inhaftierten ÖsterreicherInnen im Konzentrationslager
Ravensbrück.
Laufendes Forschungsprojekt am Institut für
Konfliktforschung (Wien)
Auch 60 Jahre nach der Befreiung des
Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück steht noch immer nicht
fest, wie
viele Österreicherinnen und Österreicher dort inhaftiert
waren. Da
österreichische Häftlinge als Reichsdeutsche geführt
wurden, ist es
schwierig, die tatsächliche Anzahl von inhaftierten
ÖsterreicherInnen
zu eruieren (zudem wurden viele Dokumente noch von den
Nationalsozialisten vor der Räumung des Lagers vernichtet). In der
Literatur wird meist von 800 bis 1.000 ÖsterreicherInnen in
Ravensbrück
ausgegangen. Unsere bisherigen Recherchen in diversen
österreichischen
Archiven haben bereits jetzt unsere These bestätigt, dass
mindestens
doppelt so viele ÖsterreicherInnen in Ravensbrück inhaftiert
gewesen
sein müssen. Bislang konnten wir die Namen (und teilweise auch
deren
Verfolgungsgeschichte) von über 2.200 Frauen und Männern
eruieren. Eine
weitere Erhöhung ist sehr wahrscheinlich, da die Archivrecherchen
(vorwiegend Landesarchive, Opferfürsorgeabteilungen der
Landesregierungen und Zweigstellen der KZ-Verbände) erst in den
Bundesländern Wien, Kärnten, Steiermark und Tirol weitgehend
abgeschlossen sind.
Obwohl eine lückenlose Erfassung aller österreichischen
Frauen und
Männer, die in Ravensbrück inhaftiert waren, nicht
durchführbar sein
wird, ist es doch Ziel der Studie, möglichst alle
Verfolgtengruppen zu
berücksichtigen. Insbesondere bei den wegen eines (vermeintlichen)
kriminellen Delikts oder angeblicher „Asozialität“ Inhaftierten
ist die
Quellenlage schwierig. Wenig ist auch über die
österreichischen
Häftlinge im Männerlager von Ravensbrück
(geschätzte 380 Personen)
bekannt, ebenso große Lücken weist die Quellenlage bei jenen
Frauen und
Männern auf, die in Ravensbrück ermordet wurden.
Über jede recherchierte Person wird schließlich eine
Kurzbiographie
verfasst, mit Informationen über deren Verfolgung sowie das Leben
davor
und danach. Die gleichzeitig aufgebaute Datenbank soll zu einem
späteren Zeitpunkt eine Auswertung in Hinblick auf soziale
Herkunft,
Verfolgungsgeschichte und – soferne die Personen überlebt haben -
das
Leben nach 1945 erlauben. |
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