Aktuelles



Das neue Mitteilungsblatt
„… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“
   Film-Screening am 2. Februar 2017 in Wien
Treffen des Internationalen Ravensbrück-Komitees in Wien (Mai 2016)
Macht Gelegenheit Mörder
   Ein Theaterstück von und mit Daniel Langbein und Lukas Stöger
Späte Ehrung von Irma Trksak durch die Republik Österreich


NEU!!! Das Mitteilungsblatt 2016 (erschienen Anfang 2017)
Druckexemplare des Mitteilungsblatts können gegen einen Porto- / Unkostenbeitrag von 7 Euro (durch Einzelpersonen innerhalb von Österreich) bestellt werden. Für interessierte (Antifa-) Gruppen gibt es Hefte kostenlos bzw. zu Portokosten.
E-Mail: LGRav_FreundInnen@gmx.net

Aus dem Inhalt: Das Internationale Ravensbrück-Komitee (IRK) in Wien, Die Identitären: Aufklärung & Gegenstrategien, Zum Theaterstück „Macht Gelegenheit Mörder“ u.v.m.

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„… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“
2. Februar 2017 Film-Premiere in Wien
Screening des Dokumentarfilms und anschließendes Publikumsgespräch
Do, 02.02.2017, 18:00 Uhr
mit den Filmemacher_innen Heike Rode & Justin Time und mit Judith Götz, Moderation (*)
KunstSozialRaum – Brunnenpassage, 1160 Wien, Brunnengasse 71
Der Eintritt ist frei.
Rollstuhlgerechter Zugang und Toiletten vorhanden.

kontinuitaeten-film

„… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“
Dokumentarfilm, 60 Min., 2016
http://film-kontinuitaeten-heutenoch.de/
Ein Film der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V. in Kooperation mit der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen

2015 hat die Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen mit der Veranstaltungsreihe whose story? zu Kontinuitäten des Nazismus gezielt Auseinandersetzungen unter anderem zu Fragen nach Kontinuitäten der Ausgrenzung und Verfolgung unter dem Stigma „asozial“ angeregt und geführt.
Wir wollen auf diesen Auseinandersetzungen aufbauen und sie fortführen. Daher ist es uns eine große Freude, nun den Film „… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“ erstmals in Wien zu zeigen und mit den Filmemacher_innen zu diskutieren.

Der Dokumentarfilm „… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“ schildert exemplarisch die Geschichte von Verfolgung und Stigmatisierung sogenannter „Asozialer“ im Nationalsozialismus.
Maria Potrzeba wurde vorgeworfen, eine sexuelle Beziehung zu dem polnischen Zwangsarbeiter Florian Spionska zu haben. Sie war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt. Nach einem Verhör durch die Gestapo wurde sie in das Jugendkonzentrationslager Uckermark eingeliefert.
Die polnischen Zwangsarbeiter Florian Spionska und Josef Goryl wurden öffentlich gehängt.
Maria leidet bis heute unter der Verfolgung. Wie in allen Familien gibt es auch in ihrer Familie generationsübergreifende Auswirkungen der Verfolgungsgeschichte. In Interviewsequenzen erzählen Nichten und Neffen, wie sie von der Verfolgung ihrer Tante erfahren haben und was diese Geschichte für sie bedeutet.
In vielen deutschen Orten gibt es vermutlich ähnliche Geschichten der Verfolgung und Ausgrenzung. In Marias Heimatort Asbeck wird sich seit Jahren um eine Aufarbeitung der Geschichte bemüht.

Ein Projekt der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen in Kooperation mit der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V. Gefördert durch die HochschülerInnenschaft an der Universität Wien.

(*)
Heike Rode ist Sozialpädagogin, Filmemacherin und Aktivistin der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V., sowie der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V.
Justin Time ist Multimedia-Künstler, Filmemacher und arbeitet zu verschiedenen Formen von Ausgrenzung und Normierung.
Judith Götz ist Literatur- und Politikwissenschaftlerin und Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit, sowie des Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus.


TREFFEN DES INTERNATIONALEN RAVENSBRÜCK-KOMITEES
17. -20. Mai 2016 in Wien
Die österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen (ÖLGR/F) war heuer Gastgeberin für das alljährlich stattfindende Treffen des Internationalen Ravensbrück-Komitees (IRK). Delegierte aus insgesamt elf Ländern (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen, Russland, Slowakei, Spanien, Tschechien, Ukraine) waren unserer Einladung gefolgt, darunter zu unserer großen Freude sieben Überlebende.

IRK-2016-Gruppenfoto

Die Tagungsteilnehmerinnen vor dem Springer Schlössl

Am 17. Mai 2016 reisten alle im Springer Schlössl, dem Tagungsort, an. Im Rahmen des sehr herzlichen Wiedersehens wurden auch einige neue Delegierte für das IRK begrüßt und wurden sofort in unseren Kreis aufgenommen. Von 18. bis 20. Mai fand dann die Tagung selbst statt.

Eva Baeckerova, die Vorsitzende des IRK, bei ihrer Begrüßungsrede

Eva Baeckerova, die Vorsitzende des IRK, bei ihrer Begrüßungsrede © Bernadette Dewald

Im Tagungsraum

Im Tagungsraum © Bernadette Dewald

Neben anderen Tagungspunkten wurde auf Anregung der österreichischen Delegierten über einen Gedenkstein — die sogenannte „Gedenkkugel“ zur Erinnerung an die inhaftierten beziehungsweise ermordeten Lesben in Ravensbrück — debattiert. Die „Gedenkkugel“ war im Jahr 2015 von internationalen Vertreterinnen der Autonomen Frauen- und Lesbenbewegung in der Nähe der „Mauer der Nationen“ niedergelegt worden. Sie wurde allerdings später auf Veranlassung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wieder entfernt.
Das IRK hat sich nun darauf geeinigt, die Gedenkkugel zu befürworten und dazu einen Antrag an den Vorstand der Brandenburgischen Gedenkstätten gestellt.
pdf Unterstützungserklärung des IRK, Wien 2016

Des Weiteren wurde eine Stellungnahme des IRK zur Flüchtlingsfrage verfasst. Die Länderdelegierten haben sich verpflichtet, diesen Text an ihre jeweiligen Bundesregierungen zu schicken.

pdf Stellungnahme des IRK zur Flüchtlingsfrage, Wien 2016

Am Nachmittag des 20. Mai unternahmen wir mit den Tagungsteilnehmerinnen und vielen Mitgliedern der österreichen Lagergemeinschaft eine Stadtrundfahrt durch Wien. Ildikó Cazan, Kunsthistorikerin und Mitglied der ÖLGR/F, führte mit reichhaltigen Informationen durch die Wiener Innenstadt.
Im Rahmen dieser Tour hielten wir am Denkmal zur Erinnerung an die Gestapo-Opfer am Morzinplatz eine kleine Gedenkfeier ab, für die Maren Rahmann den musikalischen Rahmen vorbereitet hatte. Brigitte Halbmayr (Obfrau der ÖLGR/F von 2005 bis 2013) unterstrich den feierlichen Rahmen mit einer Rede – einem Plädoyer gegen das Vergessen – das bei den Verfolgungserfahrungen der Familie von Ida Huttary anknüpft. Daran anschließend wurde ein Kranz niedergelegt.

pdf Rede Brigitte Halbmayr

Am Abend vor der allgemeinen Abfahrt erfreute uns die Sängerin Marina Rossell, die die spanische Delegation begleitet hatte, mit einem kleinen Konzert. Daran anschließend folgte ein gemütliches Beisammensein von IRK-Delegierten und Mitgliedern der ÖLGR/F. Am Samstag verabschiedeten wir uns und gaben unserer Freude Ausdruck, dass wir einander im Jahr 2017 wieder treffen.
Vera Hirsch (österreichische IRK-Delegierte)


MACHT GELEGENHEIT MÖRDER
Ein Theaterstück von und mit
Daniel Langbein und Lukas Stöger

Videostill: Macht Gelegenheit Mörder

Daniel Langbein und Lukas Stöger in „Macht Gelegenheit Mörder“ ; Videostill © Bernadette Dewald

Am 14. und 15. April 2016 fanden, organisiert durch die Österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück und FreundInnen, Aufführungen des Theaterstücks MACHT GELEGENHEIT MÖRDER von und mit Daniel Langbein und Lukas Stöger statt.

Aus Mitschnitten dieser Aufführungsreihe in Wien wurde eine DVD produziert, die für Schulen über _erinnern.at_ zu beziehen ist. Des Weiteren können die DVD sowie die Rechte für Screenings (öffentliche Aufführungen) über  LGRav_FreundInnen@gmx.net  erworben werden.
Preis der DVD: 15,- € pro Stück + Versandkosten
Eine Filmdatei in hoher Auflösung für Screenings ist vorhanden!

Nähere Informationen zum Stück >>>


Späte Ehrung von Irma Trksak durch die Republik Österreich

Am Nachmittag des 10. Februar 2016 wurden im Kongresssaal des Bundeskanzleramts drei Menschen mit Ehrenzeichen der Republik Österreich bedacht: Gerhard Kastelic, Bundesobmann der „ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich“, erhielt das Goldene, die Widerstandskämpferinnen Maria Cäsar und Irma Trksak das Silberne Verdienstzeichen der Republik. (*)
Anstelle von Irma Trksak, Ravensbrück-Überlebende, Mitbegründerin und langjährige Sekretärin der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen, war ihr Sohn Ludwig zur Ehrung erschienen.
Als Kultur- und Kanzleramtsminister Josef Ostermayer ihm Verdienstzeichen und Urkunde übergab, sagte Ludwig Trksak, er könne sich leider nicht wirklich im Namen seiner Mutter bedanken, denn Irma Trksak sei gesundheitlich nicht mehr imstande gewesen, zu realisieren, dass die Republik sie auszeichne. „Es tut mir sehr weh“, sagte Ludwig Trksak, „dass diese Ehrung so spät erfolgt.“

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Ludwig Trksak (re.) mit dem Silbernen Verdienstzeichen der Republik Österreich, das an Irma Trksak verliehen wurde (li. Kulturminister Ostermayer) © Hans Hofer / BKA

(*) Wie wir in Gesprächen nach der Verleihung erfuhren, hängt es von zahlreichen Faktoren ab, welches Ehrenzeichen (silbern oder golden) eine Person erhält. Es spielen offenbar vor allem die Positionen eine Rolle, die die Person in einer zivilgesellschaftlichen Organisation oder einem Verein inne hat oder hatte – und weniger die tatsächlichen Leistungen bspw. im Widerstand gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Auch die Tatsache, dass Frauen in vielen Organisationen schlechter repräsentiert sind als Männer und insgesamt viel weniger in die hohen Positionen gelangen, wird bei der Entscheidung, welches Ehrenzeichen verliehen wird, nicht mitbedacht. Das betrifft selbstverständlich nicht die Gründe für die Auszeichnungen – Irma Trksak und Maria Cäsar wurden dezidiert für ihren antifaschistischen Kampf geehrt.

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Irma Trksak (rechts) mit Ida Huttary im Dezember 2013 bei einer Feier der Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnnen Foto: © Sylvia Köchl

Irma TRKSAK
Geboren am 2. Oktober 1917
Irma Trksak ist das zweite von vier Kindern des Ehepaares Anna und Stephan Trksak, die vor dem Ersten Weltkrieg aus der Slowakei nach Wien gezogen waren, um hier Arbeit zu finden. Der Vater arbeitete sich nach dem Krieg vom Hilfsarbeiter zum Maschinisten in der Eisfabrik hoch Die Kinder wurden alle in tschechische Schulen geschickt. Nach ihrer Matura am tschechischen Komensky-Realgymnasium – als Mädchen einer Arbeiterfamilie eine Seltenheit – besuchte Irma ein Jahr die pädagogische Akademie in Prag. Sie erhielt dann eine Anstellung als Lehrerin an der tschechischen Volksschule in Wien. Daneben unterrichtete sie in einer slowakischen Sprachschule. Als diese Schulen 1940 geschlossen wurden, begann Irma ein Slawistik-Studium.
Während ihrer Studienzeit engagierte sie sich im Widerstand, zum einen in der Zensurstelle für Briefe in slawischen Sprachen, zum anderen in ihrer Gruppe im „Tschechoslowakischen Turnverein“. Treibende Kraft war Irmas Empörung darüber, als Angehörige einer slawischen Minderheit (und ohne „deutsches Blut“ in den Adern) plötzlich zu Menschen zweiter Klasse degradiert zu werden. Irma und ihr Freund vervielfältigten Flugblätter und verteilten sie, halfen bei Sabotage-Akten der sogenannten Terrorgruppe mit. Immer mehr Mitglieder der Gruppe, zu der auch einer von Irmas Brüdern gehörte, wurden im Laufe der Zeit verhaftet und ohne Prozess in Konzentrationslager geschickt. 20 Mitglieder wurden hingerichtet.
Am 29. September 1941 wurde Irma verhaftet. Einen Tag später auch ihr Freund Ludwik Štěpánek, bei dem das im Garten vergrabene Abziehgerät gefunden wurde. Während der zwölfmonatigen Haft, wurde sie immer wieder verhört und zum Verrat ihrer MitkämpferInnen aufgefordert. Sie konnte trotz zermürbender monatelanger Einzelhaft und zahlreichen Demütigungen widerstehen. Daher kam Irma mit 13 weiteren Frauen aus der tschechischen Widerstandsgruppe auf Transport nach Ravensbrück.
Am 2. Oktober 1942, an ihrem 25. Geburtstag, wurde Irma als Konzentrationslager-Häftling Nr. 14177 registriert. Sie kam mit ihren tschechischen Mitstreiterinnen auf jenem Block unter, in welchem Rosa Jochmann bereits Blockälteste war. Später meldete sich Irma für die Arbeit bei Siemens, wo sie als Schreiberin die Arbeitsleistung der Häftlinge verzeichnen musste. Auch hier leistete sie Widerstand. Sie fälschte die Statistiken der Arbeitsleistungen der Zwangsarbeiterinnen. So schützte sie diejenigen, die das Arbeitssoll nicht erbringen konnten. Als 1944 ein eigenes „Siemenslager“ direkt neben den Betriebsstätten errichtet wurde – um den „Arbeitsweg“ zu minimieren – wurde Irma Stubenälteste in der „Internationalen Stube“. Sie wie auch die Stubenälteste auf der „Tschechischen Stube“, Marie Karbusová, wurden verraten, weil sie politische Aktivitäten und politische Diskussionen duldeten. Als Strafe wurden sie in die Uckermark versetzt. Dort wurden ab Jänner 1945 alte und kranke Frauen unter noch weitaus schlechteren Bedingungen als im Stammlager Ravensbrück untergebracht. Irmas Verdacht, dass abermals selektierte Frauen vergast wurden und in der Uckermark selbst Gift verabreicht würde, bestätigte sich nach dem Krieg. Mit Hilfe von Elisabeth Thury, Chefin der Lagerpolizei in Ravensbrück, gelang es ihr, wieder ins Hauptlager rücküberstellt und dort Stubenälteste im Block 3 zu werden. Im Chaos der Lagerauflösung Ende April konnten Irma und ihre Freundinnen vom letzten sogenannten Evakuierungsmarsch am 29. April 1945 fliehen.
Nach einem langen Heimweg fand sie die Eltern wieder. Von den Geschwistern hatte jedoch nur die ältere Schwester als Au-pair-Mädchen in England überlebt. Die Brüder Jan und Stefan waren an der Front oder im Konzentrationslager gestorben. Ihr Freund Ludwik Štěpánek war in einem Nebenlager von Mauthausen umgekommen. Enttäuscht war sie von Bekannten, NachbarInnen und Anderen, die nichts von den Konzentrationslagern wissen wollten. Auch mit der kommunistischen Partei, für deren Ideen sie in Ravensbrück begeistert wurde, kam es nach vielen Jahren zum Bruch. 1951 brachte Irma einen Sohn zur Welt, beruflich war sie anfangs lange Jahre in der tschechischen Gesandtschaft tätig. Später hat sie die tschechische Zeitung für die KPÖ betreut. Nachdem sie aus der Partei ausgetreten war, wechselte sie in die Privatwirtschaft und arbeitete bis zu ihrer Pensionierung bei Siemens als Sachbearbeiterin. Irma war viele Jahrzehnte engagierte Zeitzeugin in Schulen. Sie hielt Vorträge und stellte sich für Dokumentationen und Reportagen zur Verfügung. 1947 war sie Zeugin in den Hamburger Ravensbrück-Prozessen. Von Beginn an war sie im KZ-Verband tätig. Sie gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern der österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück (1947), deren Sekretärin sie zwischen 1984 und 2005 war.

(Quelle: ravensbrueckerinnen.at)

Videoportrait: Irma Trksak – Portrait einer Widerständigen (EDITON VISIBLE) von Bernadette Dewald