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Macht Gelegenheit Mörder
   Ein Theaterstück von und mit Daniel Langbein und Lukas Stöger
Späte Ehrung von Irma Trksak durch die Republik Österreich
„… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“
   Ein Film der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark (D 2016, 60 Min)
Das neue Mitteilungsblatt


MACHT GELEGENHEIT MÖRDER
Ein Theaterstück von und mit
Daniel Langbein und Lukas Stöger

Videostill: Macht Gelegenheit Mörder

Daniel Langbein und Lukas Stöger in „Macht Gelegenheit Mörder“ ; Videostill © Bernadette Dewald

Am 14. und 15. April 2016 fanden, organisiert durch die Österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück und FreundInnen, Aufführungen des Theaterstücks MACHT GELEGENHEIT MÖRDER von und mit Daniel Langbein und Lukas Stöger statt.

Nähere Informationen zum Stück >>>


Späte Ehrung von Irma Trksak durch die Republik Österreich

Am Nachmittag des 10. Februar 2016 wurden im Kongresssaal des Bundeskanzleramts drei Menschen mit Ehrenzeichen der Republik Österreich bedacht: Gerhard Kastelic, Bundesobmann der „ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich“, erhielt das Goldene, die Widerstandskämpferinnen Maria Cäsar und Irma Trksak das Silberne Verdienstzeichen der Republik. (*)
Anstelle von Irma Trksak, Ravensbrück-Überlebende, Mitbegründerin und langjährige Sekretärin der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen, war ihr Sohn Ludwig zur Ehrung erschienen.
Als Kultur- und Kanzleramtsminister Josef Ostermayer ihm Verdienstzeichen und Urkunde übergab, sagte Ludwig Trksak, er könne sich leider nicht wirklich im Namen seiner Mutter bedanken, denn Irma Trksak sei gesundheitlich nicht mehr imstande gewesen, zu realisieren, dass die Republik sie auszeichne. „Es tut mir sehr weh“, sagte Ludwig Trksak, „dass diese Ehrung so spät erfolgt.“

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Ludwig Trksak (re.) mit dem Silbernen Verdienstzeichen der Republik Österreich, das an Irma Trksak verliehen wurde (li. Kulturminister Ostermayer) © Hans Hofer / BKA

(*) Wie wir in Gesprächen nach der Verleihung erfuhren, hängt es von zahlreichen Faktoren ab, welches Ehrenzeichen (silbern oder golden) eine Person erhält. Es spielen offenbar vor allem die Positionen eine Rolle, die die Person in einer zivilgesellschaftlichen Organisation oder einem Verein inne hat oder hatte – und weniger die tatsächlichen Leistungen bspw. im Widerstand gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Auch die Tatsache, dass Frauen in vielen Organisationen schlechter repräsentiert sind als Männer und insgesamt viel weniger in die hohen Positionen gelangen, wird bei der Entscheidung, welches Ehrenzeichen verliehen wird, nicht mitbedacht. Das betrifft selbstverständlich nicht die Gründe für die Auszeichnungen – Irma Trksak und Maria Cäsar wurden dezidiert für ihren antifaschistischen Kampf geehrt.

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Irma Trksak (rechts) mit Ida Huttary im Dezember 2013 bei einer Feier der Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnnen Foto: © Sylvia Köchl

Irma TRKSAK
Geboren am 2. Oktober 1917
Irma Trksak ist das zweite von vier Kindern des Ehepaares Anna und Stephan Trksak, die vor dem Ersten Weltkrieg aus der Slowakei nach Wien gezogen waren, um hier Arbeit zu finden. Der Vater arbeitete sich nach dem Krieg vom Hilfsarbeiter zum Maschinisten in der Eisfabrik hoch Die Kinder wurden alle in tschechische Schulen geschickt. Nach ihrer Matura am tschechischen Komensky-Realgymnasium – als Mädchen einer Arbeiterfamilie eine Seltenheit – besuchte Irma ein Jahr die pädagogische Akademie in Prag. Sie erhielt dann eine Anstellung als Lehrerin an der tschechischen Volksschule in Wien. Daneben unterrichtete sie in einer slowakischen Sprachschule. Als diese Schulen 1940 geschlossen wurden, begann Irma ein Slawistik-Studium.
Während ihrer Studienzeit engagierte sie sich im Widerstand, zum einen in der Zensurstelle für Briefe in slawischen Sprachen, zum anderen in ihrer Gruppe im „Tschechoslowakischen Turnverein“. Treibende Kraft war Irmas Empörung darüber, als Angehörige einer slawischen Minderheit (und ohne „deutsches Blut“ in den Adern) plötzlich zu Menschen zweiter Klasse degradiert zu werden. Irma und ihr Freund vervielfältigten Flugblätter und verteilten sie, halfen bei Sabotage-Akten der sogenannten Terrorgruppe mit. Immer mehr Mitglieder der Gruppe, zu der auch einer von Irmas Brüdern gehörte, wurden im Laufe der Zeit verhaftet und ohne Prozess in Konzentrationslager geschickt. 20 Mitglieder wurden hingerichtet.
Am 29. September 1941 wurde Irma verhaftet. Einen Tag später auch ihr Freund Ludwik Štěpánek, bei dem das im Garten vergrabene Abziehgerät gefunden wurde. Während der zwölfmonatigen Haft, wurde sie immer wieder verhört und zum Verrat ihrer MitkämpferInnen aufgefordert. Sie konnte trotz zermürbender monatelanger Einzelhaft und zahlreichen Demütigungen widerstehen. Daher kam Irma mit 13 weiteren Frauen aus der tschechischen Widerstandsgruppe auf Transport nach Ravensbrück.
Am 2. Oktober 1942, an ihrem 25. Geburtstag, wurde Irma als Konzentrationslager-Häftling Nr. 14177 registriert. Sie kam mit ihren tschechischen Mitstreiterinnen auf jenem Block unter, in welchem Rosa Jochmann bereits Blockälteste war. Später meldete sich Irma für die Arbeit bei Siemens, wo sie als Schreiberin die Arbeitsleistung der Häftlinge verzeichnen musste. Auch hier leistete sie Widerstand. Sie fälschte die Statistiken der Arbeitsleistungen der Zwangsarbeiterinnen. So schützte sie diejenigen, die das Arbeitssoll nicht erbringen konnten. Als 1944 ein eigenes „Siemenslager“ direkt neben den Betriebsstätten errichtet wurde – um den „Arbeitsweg“ zu minimieren – wurde Irma Stubenälteste in der „Internationalen Stube“. Sie wie auch die Stubenälteste auf der „Tschechischen Stube“, Marie Karbusová, wurden verraten, weil sie politische Aktivitäten und politische Diskussionen duldeten. Als Strafe wurden sie in die Uckermark versetzt. Dort wurden ab Jänner 1945 alte und kranke Frauen unter noch weitaus schlechteren Bedingungen als im Stammlager Ravensbrück untergebracht. Irmas Verdacht, dass abermals selektierte Frauen vergast wurden und in der Uckermark selbst Gift verabreicht würde, bestätigte sich nach dem Krieg. Mit Hilfe von Elisabeth Thury, Chefin der Lagerpolizei in Ravensbrück, gelang es ihr, wieder ins Hauptlager rücküberstellt und dort Stubenälteste im Block 3 zu werden. Im Chaos der Lagerauflösung Ende April konnten Irma und ihre Freundinnen vom letzten sogenannten Evakuierungsmarsch am 29. April 1945 fliehen.
Nach einem langen Heimweg fand sie die Eltern wieder. Von den Geschwistern hatte jedoch nur die ältere Schwester als Au-pair-Mädchen in England überlebt. Die Brüder Jan und Stefan waren an der Front oder im Konzentrationslager gestorben. Ihr Freund Ludwik Štěpánek war in einem Nebenlager von Mauthausen umgekommen. Enttäuscht war sie von Bekannten, NachbarInnen und Anderen, die nichts von den Konzentrationslagern wissen wollten. Auch mit der kommunistischen Partei, für deren Ideen sie in Ravensbrück begeistert wurde, kam es nach vielen Jahren zum Bruch. 1951 brachte Irma einen Sohn zur Welt, beruflich war sie anfangs lange Jahre in der tschechischen Gesandtschaft tätig. Später hat sie die tschechische Zeitung für die KPÖ betreut. Nachdem sie aus der Partei ausgetreten war, wechselte sie in die Privatwirtschaft und arbeitete bis zu ihrer Pensionierung bei Siemens als Sachbearbeiterin. Irma war viele Jahrzehnte engagierte Zeitzeugin in Schulen. Sie hielt Vorträge und stellte sich für Dokumentationen und Reportagen zur Verfügung. 1947 war sie Zeugin in den Hamburger Ravensbrück-Prozessen. Von Beginn an war sie im KZ-Verband tätig. Sie gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern der österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück (1947), deren Sekretärin sie zwischen 1984 und 2005 war.

(Quelle: ravensbrueckerinnen.at)

Videoportrait: Irma Trksak – Portrait einer Widerständigen (EDITON VISIBLE) von Bernadette Dewald


„… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“
Ein Film der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark (D 2016, 60 Min)
Der Film feierte am 16. April 2016 im Rahmen der Befreiungsfeier in der Mahn- und Gedenkstätte seine Premiere. Die ÖLGR/F trat als Ko-Veranstalterin auf.
Seither finden laufend Aufführungen in Deutschland statt. Alle Infos dazu sowie der Trailer zum Film und einiges mehr auf: http://film-kontinuitaeten-heutenoch.de/
kontinuitaeten-film


Das Mitteilungsblatt 2015 (erschienen Anfang 2016)
Druckexemplare des Mitteilungsblatts können gegen einen Porto- / Unkostenbeitrag von 7 Euro (durch Einzelpersonen innerhalb von Österreich) bestellt werden. Für interessierte (Antifa-) Gruppen gibt es Hefte kostenlos bzw. zu Portokosten.
E-Mail: LGRav_FreundInnen@gmx.net

Aus dem Inhalt: 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Ravensbrück; Gedenken an die lesbischen Opfer; Veranstaltungsreihe „whose story“ u.v.m.

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