Aktuelles



Die Befreiungsfeier im April 2017
Das neue Mitteilungsblatt
„… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“
   Film-Screening am 2. Februar 2017 in Wien
Treffen des Internationalen Ravensbrück-Komitees in Wien (Mai 2016)


Die Befreiungsfeier im April 2017

Der 72. Jahrestag der Befreiung des Frauen-KZ Ravensbrück wurde am 22. und 23. April 2017 begangen.
Der heurige Beitrag der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen war eine Buchpräsentation am Samstag Vormittag zur bislang fast unbekannten KZ-Häftlingsgruppe der sogenannten „Berufsverbrecherinnen“.
Am Samstag Nachmittag wurde den Opfern des ehemaligen Mädchen-KZ Uckermark gedacht. Neben anderen hielt der Sohn einer polnischen Überlebenden eine beeindruckende Rede gegen den in ganz Europa erstarkten Nationalismus.

Am Uckermark-Gelände

Im Anschluss daran wurde an die kürzlich verstorbene Maria Potrzeba erinnert und die Anwesenden konnten sich bei einem für sie gepflanzten Baum über ihr Leben und ihre unermüdliche Erinnerungsarbeit informieren.

Erzählung von Maria Potrzeba

Bei der Ravensbrücker Befreiungsfeier am Sonntag machte Insa Eschebach, die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte, auf neonazistische Schmierereien aufmerksam, die am Donnerstag am Bahnhof von Fürstenberg entdeckt worden waren. Geflüchteten wurde von den bislang unbekannten Tätern der Tod in der Gaskammer angedroht. Eschebach unterstrich damit die Notwendigkeit des wachsamen und aktiven Gedenkens.
Für die Überlebenden und als Vertreterin des Internationalen Ravensbrück-Komitees sprach Barbara Piotrowska aus Warschau, die als Kind nach Ravensbrück verschleppt worden war.
Als Hauptredner war der Schriftsteller Robert Schindel aus Wien eingeladen, der von seiner Mutter, der jüdisch-kommunistischen Widerstandskämpferin Gerti Schindel, erzählte und von ihrem beeindruckenden Umgang mit Antisemitismus, Verfolgung, Vernichtungslager, KZ-Haft und Weiterleben.
Am Sonntag Nachmittag – zwischen Hagelschauern und eisigem Wind – wurde zum nunmehr dritten Mal aller lesbischen Ravensbrück-Opfer gedacht und erneut die „Gedenkkugel“ niedergelegt (siehe das Mitteilungsblatt 2015).

Gedenken an die lesbischen Opfer


NEU!!! Das Mitteilungsblatt 2016 (erschienen Anfang 2017)
Druckexemplare des Mitteilungsblatts können gegen einen Porto- / Unkostenbeitrag von 7 Euro (durch Einzelpersonen innerhalb von Österreich) bestellt werden. Für interessierte (Antifa-) Gruppen gibt es Hefte kostenlos bzw. zu Portokosten.
E-Mail: LGRav_FreundInnen@gmx.net

Aus dem Inhalt: Das Internationale Ravensbrück-Komitee (IRK) in Wien, Die Identitären: Aufklärung & Gegenstrategien, Zum Theaterstück „Macht Gelegenheit Mörder“ u.v.m.

Mitglieder erhalten das Mitteilungsblatt kostenlos zugeschicktt!
Zur Online-Version >>

 


„… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“
2. Februar 2017 Film-Premiere in Wien
Screening des Dokumentarfilms und anschließendes Publikumsgespräch
Do, 02.02.2017, 18:00 Uhr
mit den Filmemacher_innen Heike Rode & Justin Time und mit Judith Götz, Moderation (*)
KunstSozialRaum – Brunnenpassage, 1160 Wien, Brunnengasse 71
Der Eintritt ist frei.
Rollstuhlgerechter Zugang und Toiletten vorhanden.

kontinuitaeten-film

„… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“
Dokumentarfilm, 60 Min., 2016
http://film-kontinuitaeten-heutenoch.de/
Ein Film der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V. in Kooperation mit der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen

2015 hat die Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen mit der Veranstaltungsreihe whose story? zu Kontinuitäten des Nazismus gezielt Auseinandersetzungen unter anderem zu Fragen nach Kontinuitäten der Ausgrenzung und Verfolgung unter dem Stigma „asozial“ angeregt und geführt.
Wir wollen auf diesen Auseinandersetzungen aufbauen und sie fortführen. Daher ist es uns eine große Freude, nun den Film „… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“ erstmals in Wien zu zeigen und mit den Filmemacher_innen zu diskutieren.

Der Dokumentarfilm „… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“ schildert exemplarisch die Geschichte von Verfolgung und Stigmatisierung sogenannter „Asozialer“ im Nationalsozialismus.
Maria Potrzeba wurde vorgeworfen, eine sexuelle Beziehung zu dem polnischen Zwangsarbeiter Florian Spionska zu haben. Sie war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt. Nach einem Verhör durch die Gestapo wurde sie in das Jugendkonzentrationslager Uckermark eingeliefert.
Die polnischen Zwangsarbeiter Florian Spionska und Josef Goryl wurden öffentlich gehängt.
Maria leidet bis heute unter der Verfolgung. Wie in allen Familien gibt es auch in ihrer Familie generationsübergreifende Auswirkungen der Verfolgungsgeschichte. In Interviewsequenzen erzählen Nichten und Neffen, wie sie von der Verfolgung ihrer Tante erfahren haben und was diese Geschichte für sie bedeutet.
In vielen deutschen Orten gibt es vermutlich ähnliche Geschichten der Verfolgung und Ausgrenzung. In Marias Heimatort Asbeck wird sich seit Jahren um eine Aufarbeitung der Geschichte bemüht.

Ein Projekt der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen in Kooperation mit der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V. Gefördert durch die HochschülerInnenschaft an der Universität Wien.

(*)
Heike Rode ist Sozialpädagogin, Filmemacherin und Aktivistin der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V., sowie der Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V.
Justin Time ist Multimedia-Künstler, Filmemacher und arbeitet zu verschiedenen Formen von Ausgrenzung und Normierung.
Judith Götz ist Literatur- und Politikwissenschaftlerin und Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit, sowie des Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus.


TREFFEN DES INTERNATIONALEN RAVENSBRÜCK-KOMITEES
17. -20. Mai 2016 in Wien
Die österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen (ÖLGR/F) war heuer Gastgeberin für das alljährlich stattfindende Treffen des Internationalen Ravensbrück-Komitees (IRK). Delegierte aus insgesamt elf Ländern (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen, Russland, Slowakei, Spanien, Tschechien, Ukraine) waren unserer Einladung gefolgt, darunter zu unserer großen Freude sieben Überlebende.

IRK-2016-Gruppenfoto

Die Tagungsteilnehmerinnen vor dem Springer Schlössl

Am 17. Mai 2016 reisten alle im Springer Schlössl, dem Tagungsort, an. Im Rahmen des sehr herzlichen Wiedersehens wurden auch einige neue Delegierte für das IRK begrüßt und wurden sofort in unseren Kreis aufgenommen. Von 18. bis 20. Mai fand dann die Tagung selbst statt.

Eva Baeckerova, die Vorsitzende des IRK, bei ihrer Begrüßungsrede

Eva Baeckerova, die Vorsitzende des IRK, bei ihrer Begrüßungsrede © Bernadette Dewald

Im Tagungsraum

Im Tagungsraum © Bernadette Dewald

Neben anderen Tagungspunkten wurde auf Anregung der österreichischen Delegierten über einen Gedenkstein — die sogenannte „Gedenkkugel“ zur Erinnerung an die inhaftierten beziehungsweise ermordeten Lesben in Ravensbrück — debattiert. Die „Gedenkkugel“ war im Jahr 2015 von internationalen Vertreterinnen der Autonomen Frauen- und Lesbenbewegung in der Nähe der „Mauer der Nationen“ niedergelegt worden. Sie wurde allerdings später auf Veranlassung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wieder entfernt.
Das IRK hat sich nun darauf geeinigt, die Gedenkkugel zu befürworten und dazu einen Antrag an den Vorstand der Brandenburgischen Gedenkstätten gestellt.
pdf Unterstützungserklärung des IRK, Wien 2016

Des Weiteren wurde eine Stellungnahme des IRK zur Flüchtlingsfrage verfasst. Die Länderdelegierten haben sich verpflichtet, diesen Text an ihre jeweiligen Bundesregierungen zu schicken.

pdf Stellungnahme des IRK zur Flüchtlingsfrage, Wien 2016

Am Nachmittag des 20. Mai unternahmen wir mit den Tagungsteilnehmerinnen und vielen Mitgliedern der österreichen Lagergemeinschaft eine Stadtrundfahrt durch Wien. Ildikó Cazan, Kunsthistorikerin und Mitglied der ÖLGR/F, führte mit reichhaltigen Informationen durch die Wiener Innenstadt.
Im Rahmen dieser Tour hielten wir am Denkmal zur Erinnerung an die Gestapo-Opfer am Morzinplatz eine kleine Gedenkfeier ab, für die Maren Rahmann den musikalischen Rahmen vorbereitet hatte. Brigitte Halbmayr (Obfrau der ÖLGR/F von 2005 bis 2013) unterstrich den feierlichen Rahmen mit einer Rede – einem Plädoyer gegen das Vergessen – das bei den Verfolgungserfahrungen der Familie von Ida Huttary anknüpft. Daran anschließend wurde ein Kranz niedergelegt.

pdf Rede Brigitte Halbmayr

Am Abend vor der allgemeinen Abfahrt erfreute uns die Sängerin Marina Rossell, die die spanische Delegation begleitet hatte, mit einem kleinen Konzert. Daran anschließend folgte ein gemütliches Beisammensein von IRK-Delegierten und Mitgliedern der ÖLGR/F. Am Samstag verabschiedeten wir uns und gaben unserer Freude Ausdruck, dass wir einander im Jahr 2017 wieder treffen.
Vera Hirsch (österreichische IRK-Delegierte)