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Macht Gelegenheit Mörder
   Ein Theaterstück von und mit Daniel Langbein und Lukas Stöger
Späte Ehrung von Irma Trksak durch die Republik Österreich
„… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“
   Ein Film der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark (D 2016, 60 Min)
71. Jahrestag der Befreiung 2016

Das neue Mitteilungsblatt


MACHT GELEGENHEIT MÖRDER
Ein Theaterstück von und mit
Daniel Langbein und Lukas Stöger

Eine Veranstaltung der Plattform österreichische Lagergemeinschaften Auschwitz, Buchenwald, Flossenbürg, Dachau, Mauthausen und Ravensbrück (www.oelg.at), in Kooperation mit der Gesellschaft für politische Aufklärung (GfpA) und _erinnern.at_.

14. April 2016, 18:30h
Projektraum im WUK
Währinger Straße 59, 1090 Wien

Hermann Langbein, der Großvater eines der Protagonisten des Stücks, hat in seinem Buch „Die Stärkeren“ über seine Erfahrungen als Häftling in den Konzentrationslagern Dachau und Auschwitz berichtet.
In packenden 50 Minuten konfrontieren sich Daniel Langbein und Lukas Stöger mit diesem Buch und setzen es mit Szenen aus dem gegenwärtigen Alltag in Beziehung. Ihre Fragen zum Text des KZ-Überlebenden zeigen die Notwendigkeit einer bewussten Auseinandersetzung mit sich selbst und den eigenen Haltungen und Denkweisen auf.
Im Anschluss an die Aufführung findet ein Publikumsgespräch mit den Darstellern und Dr.in Brigitte Halbmayr – unter anderem Verfasserin der Hermann Langbein-Biografie „Zeitlebens konsequent“ – statt.

Eintritt: 12,00 € pro Person
Anmeldung erwünscht
per E-Mail an:
b.dewald@silverserver.at und
brigitte.halbmayr@ikf.ac.at

Weitere Vorstellungen (bevorzugt für Schulklassen):
14. 4. 2016, 10:30h
15. 4. 2016, 10:30h
Im Anschluss moderiertes Publikumsgespräch mit den Darstellern.
Anmeldung von Schulklassen unbedingt erforderlich
per E-Mail (s.o.)

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wuk-ortsplan

 


Späte Ehrung von Irma Trksak durch die Republik Österreich

Am Nachmittag des 10. Februar 2016 wurden im Kongresssaal des Bundeskanzleramts drei Menschen mit Ehrenzeichen der Republik Österreich bedacht: Gerhard Kastelic, Bundesobmann der „ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich“, erhielt das Goldene, die Widerstandskämpferinnen Maria Cäsar und Irma Trksak das Silberne Verdienstzeichen der Republik. (*)
Anstelle von Irma Trksak, Ravensbrück-Überlebende, Mitbegründerin und langjährige Sekretärin der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen, war ihr Sohn Ludwig zur Ehrung erschienen.
Als Kultur- und Kanzleramtsminister Josef Ostermayer ihm Verdienstzeichen und Urkunde übergab, sagte Ludwig Trksak, er könne sich leider nicht wirklich im Namen seiner Mutter bedanken, denn Irma Trksak sei gesundheitlich nicht mehr imstande gewesen, zu realisieren, dass die Republik sie auszeichne. „Es tut mir sehr weh“, sagte Ludwig Trksak, „dass diese Ehrung so spät erfolgt.“

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Ludwig Trksak (re.) mit dem Silbernen Verdienstzeichen der Republik Österreich, das an Irma Trksak verliehen wurde (li. Kulturminister Ostermayer) © Hans Hofer / BKA

(*) Wie wir in Gesprächen nach der Verleihung erfuhren, hängt es von zahlreichen Faktoren ab, welches Ehrenzeichen (silbern oder golden) eine Person erhält. Es spielen offenbar vor allem die Positionen eine Rolle, die die Person in einer zivilgesellschaftlichen Organisation oder einem Verein inne hat oder hatte – und weniger die tatsächlichen Leistungen bspw. im Widerstand gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Auch die Tatsache, dass Frauen in vielen Organisationen schlechter repräsentiert sind als Männer und insgesamt viel weniger in die hohen Positionen gelangen, wird bei der Entscheidung, welches Ehrenzeichen verliehen wird, nicht mitbedacht. Das betrifft selbstverständlich nicht die Gründe für die Auszeichnungen – Irma Trksak und Maria Cäsar wurden dezidiert für ihren antifaschistischen Kampf geehrt.

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Irma Trksak (rechts) mit Ida Huttary im Dezember 2013 bei einer Feier der Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnnen Foto: © Sylvia Köchl

Irma TRKSAK
Geboren am 2. Oktober 1917
Irma Trksak ist das zweite von vier Kindern des Ehepaares Anna und Stephan Trksak, die vor dem Ersten Weltkrieg aus der Slowakei nach Wien gezogen waren, um hier Arbeit zu finden. Der Vater arbeitete sich nach dem Krieg vom Hilfsarbeiter zum Maschinisten in der Eisfabrik hoch Die Kinder wurden alle in tschechische Schulen geschickt. Nach ihrer Matura am tschechischen Komensky-Realgymnasium – als Mädchen einer Arbeiterfamilie eine Seltenheit – besuchte Irma ein Jahr die pädagogische Akademie in Prag. Sie erhielt dann eine Anstellung als Lehrerin an der tschechischen Volksschule in Wien. Daneben unterrichtete sie in einer slowakischen Sprachschule. Als diese Schulen 1940 geschlossen wurden, begann Irma ein Slawistik-Studium.
Während ihrer Studienzeit engagierte sie sich im Widerstand, zum einen in der Zensurstelle für Briefe in slawischen Sprachen, zum anderen in ihrer Gruppe im „Tschechoslowakischen Turnverein“. Treibende Kraft war Irmas Empörung darüber, als Angehörige einer slawischen Minderheit (und ohne „deutsches Blut“ in den Adern) plötzlich zu Menschen zweiter Klasse degradiert zu werden. Irma und ihr Freund vervielfältigten Flugblätter und verteilten sie, halfen bei Sabotage-Akten der sogenannten Terrorgruppe mit. Immer mehr Mitglieder der Gruppe, zu der auch einer von Irmas Brüdern gehörte, wurden im Laufe der Zeit verhaftet und ohne Prozess in Konzentrationslager geschickt. 20 Mitglieder wurden hingerichtet.
Am 29. September 1941 wurde Irma verhaftet. Einen Tag später auch ihr Freund Ludwik Štěpánek, bei dem das im Garten vergrabene Abziehgerät gefunden wurde. Während der zwölfmonatigen Haft, wurde sie immer wieder verhört und zum Verrat ihrer MitkämpferInnen aufgefordert. Sie konnte trotz zermürbender monatelanger Einzelhaft und zahlreichen Demütigungen widerstehen. Daher kam Irma mit 13 weiteren Frauen aus der tschechischen Widerstandsgruppe auf Transport nach Ravensbrück.
Am 2. Oktober 1942, an ihrem 25. Geburtstag, wurde Irma als Konzentrationslager-Häftling Nr. 14177 registriert. Sie kam mit ihren tschechischen Mitstreiterinnen auf jenem Block unter, in welchem Rosa Jochmann bereits Blockälteste war. Später meldete sich Irma für die Arbeit bei Siemens, wo sie als Schreiberin die Arbeitsleistung der Häftlinge verzeichnen musste. Auch hier leistete sie Widerstand. Sie fälschte die Statistiken der Arbeitsleistungen der Zwangsarbeiterinnen. So schützte sie diejenigen, die das Arbeitssoll nicht erbringen konnten. Als 1944 ein eigenes „Siemenslager“ direkt neben den Betriebsstätten errichtet wurde – um den „Arbeitsweg“ zu minimieren – wurde Irma Stubenälteste in der „Internationalen Stube“. Sie wie auch die Stubenälteste auf der „Tschechischen Stube“, Marie Karbusová, wurden verraten, weil sie politische Aktivitäten und politische Diskussionen duldeten. Als Strafe wurden sie in die Uckermark versetzt. Dort wurden ab Jänner 1945 alte und kranke Frauen unter noch weitaus schlechteren Bedingungen als im Stammlager Ravensbrück untergebracht. Irmas Verdacht, dass abermals selektierte Frauen vergast wurden und in der Uckermark selbst Gift verabreicht würde, bestätigte sich nach dem Krieg. Mit Hilfe von Elisabeth Thury, Chefin der Lagerpolizei in Ravensbrück, gelang es ihr, wieder ins Hauptlager rücküberstellt und dort Stubenälteste im Block 3 zu werden. Im Chaos der Lagerauflösung Ende April konnten Irma und ihre Freundinnen vom letzten sogenannten Evakuierungsmarsch am 29. April 1945 fliehen.
Nach einem langen Heimweg fand sie die Eltern wieder. Von den Geschwistern hatte jedoch nur die ältere Schwester als Au-pair-Mädchen in England überlebt. Die Brüder Jan und Stefan waren an der Front oder im Konzentrationslager gestorben. Ihr Freund Ludwik Štěpánek war in einem Nebenlager von Mauthausen umgekommen. Enttäuscht war sie von Bekannten, NachbarInnen und Anderen, die nichts von den Konzentrationslagern wissen wollten. Auch mit der kommunistischen Partei, für deren Ideen sie in Ravensbrück begeistert wurde, kam es nach vielen Jahren zum Bruch. 1951 brachte Irma einen Sohn zur Welt, beruflich war sie anfangs lange Jahre in der tschechischen Gesandtschaft tätig. Später hat sie die tschechische Zeitung für die KPÖ betreut. Nachdem sie aus der Partei ausgetreten war, wechselte sie in die Privatwirtschaft und arbeitete bis zu ihrer Pensionierung bei Siemens als Sachbearbeiterin. Irma war viele Jahrzehnte engagierte Zeitzeugin in Schulen. Sie hielt Vorträge und stellte sich für Dokumentationen und Reportagen zur Verfügung. 1947 war sie Zeugin in den Hamburger Ravensbrück-Prozessen. Von Beginn an war sie im KZ-Verband tätig. Sie gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern der österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück (1947), deren Sekretärin sie zwischen 1984 und 2005 war.

(Quelle: ravensbrueckerinnen.at)

Videoportrait: Irma Trksak – Portrait einer Widerständigen (EDITON VISIBLE) von Bernadette Dewald


„… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“
Ein Film der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark (D 2016, 60 Min)

Die Website zum Film: http://film-kontinuitaeten-heutenoch.de/

Premiere (im Rahmen der Befreiungsfeier 2016): Samstag, 16. April 2016, 19 Uhr
Ort: Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Veranstaltungssaal in den ehemaligen Garagen
Veranstalter_innen: Österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen, Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V., Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V.
Über den Film
Der essayistische Dokumentarfilm „… dass das heute noch immer so ist – Kontinuitäten der Ausgrenzung“ schildert exemplarisch die Geschichte von Verfolgung und Stigmatisierung sogenannter „Asozialer“ im Nationalsozialismus.
Maria Potrzeba wurde vorgeworfen, eine sexuelle Beziehung zu dem polnischen Zwangsarbeiter Florian Spionska zu haben. Sie war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt. Nach einem Verhör durch die Gestapo wurde sie in das Jugendkonzentrationslager Uckermark eingeliefert.
Die polnischen Zwangsarbeiter Florian Spionska und Josef Goryl wurden öffentlich gehängt.
Maria leidet bis heute unter der Verfolgung. Wie in allen Familien gibt es auch in ihrer Familie generationsübergreifende Auswirkungen der Verfolgungsgeschichte. In Interviewsequenzen erzählen Nichten und Neffen, wie sie von der Verfolgung ihrer Tante erfahren haben und was diese Geschichte für sie bedeutet.
In vielen deutschen Orten gibt es vermutlich ähnliche Geschichten der Verfolgung und Ausgrenzung. In Marias Heimatort Asbeck wird sich seit Jahren um eine Aufarbeitung der Geschichte bemüht.

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Gelände des ehemaligen Jugend-KZ Uckermark im Jahr 2011. Foto: SylKo


71. Jahrestag der Befreiung 2016
Sonntag, 17. April 2016
Um 10 Uhr findet die Befreiungsfeier statt.
Das genaue Programm wird Anfang 2016 auf der Website der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück veröffentlicht: www.ravensbrueck.de/mgr/
Wir empfehlen die Anreise, soweit möglich, bereits am Samstag, 16. April, wenn erste Teile des Programms stattfinden. Die Reservierung von Quartieren in Ravensbrück bzw. Fürstenberg und Umgebung wird ab sofort empfohlen. Am Gelände der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück ist eine Jugendherberge angesiedelt, die den einfachsten Zugang zur Befreiungsfeier und dem Programm bietet (http://jh-ravensbrueck.jugendherbergen-berlin-brandenburg.de/de-DE/Portraet). Alternativ ist die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück aber auch von Berlin aus gut zu erreichen.
Weitere Informationen erhalten Interessierte auf Nachfrage bei der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen.
E-Mail: LGRav_FreundInnen@gmx.net


Das neue Mitteilungsblatt ist da!
Druckexemplare des Mitteilungsblatts können gegen einen Porto- / Unkostenbeitrag von 7 Euro (innerhalb von Österreich) bestellt werden:
E-Mail: LGRav_FreundInnen@gmx.net

Aus dem Inhalt: 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Ravensbrück; Gedenken an die lesbischen Opfer; Veranstaltungsreihe „whose story“ u.v.m.

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