VideoArchiv Ravensbrück


Das Archiv:
1998 wurden vom VideoArchiv-Projekt Ravensbrück in Zusammenarbeit mit den Sozialwissenschafterinnen Brigitte Halbmayr und Helga Amesberger 34 mehrstündige Interviews mit österreichischen Überlebenden (mehr als 200 Stunden Zeitzeuginnenschaft) auf Video aufgezeichnet. Die Interviews wurden biografisch-narrativ geführt, die gesamte Lebensgeschichte – auch das Leben vor und nach dem KZ – sollte erzählt werden. Der Erinnerungsprozess wurde von den Erzählenden selbst bestimmt und konnte auch an mehreren Interviewterminen stattfinden.
Gegen viele widrige Umstände – vor allem das damals fehlende Verständnis für die Notwendigkeit der audiovisuellen Aufzeichnung der Erinnerungen von ZeitzeugInnen – wurde das erste umfassende österreichische Videoarchiv von Interviews mit KZ-Überlebenden erarbeitet.

Die Interviewsammlung wurde 2014 im Rahmen eines österreichweiten Archivierungsprojektes von ZeitzeugInnen-Interviews zum Nationalsozialismus (initiiert von Albert Lichtblau, Universität Salzburg) an die Östereichische Mediathek zur sachgemäßen Archivierung übergeben.

Projektteam:
Organisation, Realisation, Kamera: Gundula Daxecker, Bernadette Dewald, Gerda Klingenböck, Tina Leisch / Fundraising: Gundula Daxecker, Bernadette Dewald, Gerda Klingenböck, Katharina Streiff, Tina Leisch, Daniela Wörndl / Consulting: Corinne Schweizer


Film- und Videoproduktionen – ein Überblick:
Nach der Aufzeichnung der Interviews im Jahr 1998 entstanden auf Basis dieses Materials die Filme Rette mich! Österreichische Überlebende des Frauen-KZ Ravensbrück (1999) Wer wird mir helfen? Kärntner Sloweninnen erzählen (2000), Vom Leben und Überleben (2003)die Videoediton VISIBLE (2009) sowie der Dokumentarfim Dagegen muss ich etwas tun. Portrait der Widerstandskämpferin Hilde Zimmermann (2009).


Dagegen muss ich etwas tun. Portrait der Widerstandskämpferin Hilde Zimmermann
AT / 2009, 90 min, Digital Betacam PAL
Kamera: Marika Schmiedt, Tina Leisch, Lena Koppe
Schnitt: Tina Leisch, Marika Schmiedt

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Filmstill: Dagegen muss ich etwas tun. © Tina Leisch

Dagegen muss ich etwas tun.“ Den Satz, der später zum Titel von Tina Leischs filmischem Portrait der Widerstandskämpferin Hilde Zimmermann werden sollte, äußert die Protagonistin eher beiläufig und unvermittelt, (…)

Es gehörte schon immer zu den Stärken der als Oral History bekannten historiographischen Methode, dass sie die performativen Aspekte der Situation, in der jemand sich erinnert, ebenso aufzeichnet wie das Erinnerte selbst. Auf diese Weise entsteht ein Bild der Vergangenheit, das das Bild der Zeugin – anders als bei Zeugenaussagen vor Gericht oder in gewöhnlichen Interviewsituationen üblich – gerade einschließt. Diesen Umstand macht Dagegen muss ich etwas tun sich zunutze: Die Interviews, die Brigitte Halbmayr vor zehn Jahren für das „Videoarchiv Ravensbrück“ mit Hilde Zimmermann geführt hat, ergänzt Tina Leisch um Gespräche mit dem Ehemann, dem Bruder, der besten Freundin. Das Resultat ist ein Film, der über die Erzählung der für die zeitgeschichtliche Forschung relevanten Stationen – Kind des roten Wien, als Jugendliche politische Aktivistin, als junge Frau im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, mit Mutter, Bruder und Freundin verhaftet und nach Ravensbrück deportiert – das Portrait einer Frau modelliert, deren Leben zugleich exemplarisch und einzigartig war. Diese Balance zu erzeugen und zu halten, darin besteht die große Leistung von Tina Leischs Film.
(Vrääth Öhner)

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 VISIBLE
10 Videoportraits von österreichischen Überlebenden des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück
Konzept und Realisation: Bernadette Dewald und Marika Schmiedt
AT 2009, DV, DVD-Edition

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Die Edition macht einen Teil des vom Videoarchiv Ravensbrück gesammelten Materials aus den Jahren 1998 – 1999 so wie neu aufgezeichnete Gespräche mit Überlebenden als Filmreihe zugänglich. Der Blick richtet sich dabei auch auf die Erfahrungen der Kinder und Enkel und versucht, die Auswirkungen der Haftzeit in den Konzentrationslagern in der Gegenwart sichtbar zu machen – welche Spuren ziehen die von den Opfern des NS-Terrors erlebten Gräuel in der zweiten und dritten Generation?

Für VISIBLE wurden von den beiden Filmemacherinnen je fünf Filme erarbeitet. Im Rahmen dieser Produktion wurden – neben der Aufarbeitung von vorhandenem Material – mit einigen weiteren Ravensbrück-Überlebenden erstmals Interviews geführt. Die Reihe wurde in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück und Freundinnen produziert.

Bernadette Dewald
Lotte Brainin. LEBEN MIT EIGENWILLEN UND MUT
Friederike Furch. „LAGERKIND“
Aloisia Hofinger. SO VIEL ANGST…
Ida Huttary. „DAS WAR HALT EIN SCHICKSAL, EIN NICHT SCHÖNES…“
Irma Trksak. PORTRAIT EINER WIDERSTÄNDIGEN
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Marika Schmiedt:
Dagmar Ostermann. ABER IN AUSCHWITZ WILL ICH BEGRABEN SEIN
Anna Kupper. DER DRECK AUF DER KEHRSCHAUFEL WAR ABENDS IN DER BLUTWURST
Josefine Oswald. ICH HABE NICHT SO VIEL GEDACHT DAMALS, WAS UNS BEVORSTEHT
Katharina Thaller. JEHOVA GOTT HAT MICH AM LEBEN ERHALTEN
Ceija Stojka. LUNGO DROM. LANGER WEG
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Vom Leben und Überleben
A 2003, Beta SP, 1.1.33, Farbe, colour, 110 min, Originalfassung mit englischen Untertiteln
Konzept, Realisation: Bernadette Dewald, Gerda Klingenböck / VideoArchiv Ravensbrück
Kamera:Bernadette Dewald, Gerda Klingenböck, Tina Leisch
Interviews: Helga Amesberger, Brigitte Halbmayr
Schnitt: Gundula Daxecker
Cast: Antonia Bruha, Regine Chum, Helene Igerc, Rosa Winter, Katharina Thaller, Aloisia Hofinger
Dramturgische Beratung:: Eva Brunner-Szàbo
Übersetzung (engl.):Barbara Rassi, Hugo Frey

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Von den 34 im Rahmen eines Oral History Projekts aufgezeichneten Interviews mit Österreichischen Ravensbrück Überlebenden haben Bernadette Dewald und Gerda Klingenböck 6 Frauen ausgewählt, deren Geschichten ihr Film thematisch parallel montiert. Vom Leben und Überleben nimmt sich viel Zeit für die äußerst unterschiedlichen Wege der Frauen. Sie sitzen in anonym wirkenden Zimmern oder aufgeräumten Küchen, die Kamera bleibt auf Distanz. Vor den neutralen, leeren Hintergründen baut sich ihre Erzählung einen Raum, eine rohe Landschaft der Erinnerung. Jede Geschichte ist zugleich eine Reflexion über ihre eigene Unmöglichkeit: Vieles ist unbeschreibbar, anderes ist unbesprechbar geblieben und manches scheint nur in ritualisierten Formeln sagbar.
Ravensbrück ist ein Off im Leben dieser Frauen, weil es ein Off im Gedächtnis der Nachwelt ist Vom Leben und Überleben holt die unerwünschten Erinnerungen an die Oberfläche und gibt dem Ungeheuren, ja fast schon Unglaublichen Namen und Gesicht.
(Sylvia Szely)

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Wer wird mir helfen? Kärntner Sloweninnen erzählen
A 2000, DV Cam, colour, 30 min

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Maria Hribar, Helene Igerc und Anna Jug (Videostills)

Konzept, Realisation: Bernadette Dewald, Gerda Klingenböck / VideoArchiv Ravensbrück
Kamera: Gerda Klingenböck, Tina Leisch
Interviews: Helga Amesberger, Brigitte Halbmayr
Schnitt: Bernadette Dewald
Cast: Maria Hribar, Helene Igerc, Anna Jug

Die Erzählungen von Maria Hribar, Helene Igerc und Anna Jug rufen die in Österreich nur allzu gern verdrängte und verharmloste Verfolgungsgeschichte der Kärntner Sloweninnen in Erinnerung. Die slowenischen PartisanInnen leisteten den stärksten und effektivsten Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Österreich, über 1000 Kärntnerinnen sind im Befreiungskampf gefallen.

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Rette mich! Österreichische Überlebende des Frauen-KZ Ravensbrück
A 1999, BetaSP-PAL, mono, 65 min., deutsch

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Konzept: Katrin Auer, Daniela Gahleitner, Sylvia Köchl, Tina Leisch, Corinna Oesch, Christa Putz, Michaela Schaurecker
Interviews: Helga Amesberger, Daniela Garleitner, Brigitte Halbmayr, Christa Putz, Hemma Mayerhofer
Kamera: Gundula Daxecker, Bernadette Dewald, Gerda Klingenböck, Tina Leisch
Schnitt /Postproduktion: Tina Leisch, Corinne Schweizer

Das Video Ratuj mnie! Resi me! Rette mich! entstand als Bestandteil zur Ausstellung „Wege nach Ravensbrück”. Diese thematisiert die Erinnerungen von österreichischen Überlebenden des Frauen-Konzentrationslagers. Acht Frauenbiographien werden in der Ausstellung auf Video präsentiert: Eva Gutfreund, eine als „Nichtarierin” kategorisierte Wienerin, die Sintezza Rosa Winter, die Kärntner Slowenin Anna Olip-Jug, Christine Berger-Wagner, die im Leobner Widerstand tätig war, die Zeugin Jehovas Katharina Thaller, die burgenländische Romni Gisela Samer, Hermine Nierlich-Jursa, die im kommunistischen Widerstand in Wien aktiv war und Aloisia Hofinger, die eine Liebesbeziehung zu einem polnischen Zwangsarbeiter hatte.
„Wir entschieden uns  für eine formale Dreiteilung der präsentierten Lebensgeschichten in jeweils einen Zeitabschnitt vor, während und nach der Lagerhaft. Dies erlaubte es uns, die Erfahrungen des Lagers als Bruch der unterschiedlichen Lebensgeschichten zu markieren. Die zurückhaltende Form der Darstellung soll unkommentiert die unterschiedlichen Erfahrungen und Erzählweisen der Frauen in den Mittelpunkt rücken.”
(Katrin Auer, Daniela Gahleitner, Sylvia Köchl, Corinna Oesch, Christa Putz, Michaela Schaurecker)

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